PROJEKT-1155.1 - Fernmeldeaufklärung der Bundesmarine, Marinefernmeldesektor 73

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UDALOY II-KLASSE
Kurze Zeit nach der Indienststellung der UDALOY I-KLASSE-Zerstörer sah man die Notwendigkeit für eine Modifikation der UDALOY-KLASSE, um so ein Gegenstück zur US-amerikanischen Arleigh-Burke-Klasse zu schaffen. 1982 begann man mit der Entwicklung eines Umrüstsatzes, welcher die Fähigkeiten der UDALOY I-KLASSE besser einteilen sollte. Die UDALOY II-KLASSE ist eine Umrüstung der UDALOY I-KLASSE-Einheiten. Die SS-N-14 wurden durch die SS-N-22 Sunburn ersetzt, welcher den Einheiten ein Wirken gegen Seeziele ermöglichte. Damit verbunden war jedoch ein Verlust an Wirkmitteln gegen U-Boote, namentlich der Verlust der Starter für die SS-N-14 "Silex". Des Weiteren wurden durch Hinzufügen von Artilleriesystemen und Luftabwehrflugkörpern (SAM) die Verteidigungsfähigkeiten verbessert. Die UDALOY II-KLASSE-Einheiten wurden mit SA-N-11-Flugkörpern nachgerüstet. Beide SA-N-11-Systeme bestehen aus jeweils zwei Vierfachstartern und verfügen über ein automatisches Ladesystem, das weitere drei Sätze – also 24 Raketen – enthält. Insgesamt stehen somit weitere 16 Starter bzw. 64 Raketen zur Flugabwehr auf der UDALOY II-KLASSE zur Verfügung. Die Geschütze des Typs AK-630 und die Flugkörper vom Typ SA-N-11 bilden dabei den so genannten Kaschtan-Flugabwehrkomplex. Hierbei sind je acht Starter für die SA-N-11 und zwei AK-630-Geschütze zur Nahverteidigung des Schiffes zusammengeschaltet. Die Kombination von Flugkörpern und herkömmlichen Projektilwaffen soll die Trefferquote des Systems gegenüber reinen Flugkörper- oder Geschützsystem erhöhen. Die AK-100-Geschütze wurden durch ein doppelläufiges AK-130-DP-Geschütz vom Kaliber 130 mm ersetzt. Die AK-130 verfügt im Vergleich zur AK-100 bei annähernd gleicher Kadenz über eine höhere Reichweite sowie größere Sprengkraft. Um die Überlebenschancen der UDALOY II-KLASSE im Kampf gegen U-Boote zu vergrößern, ersetzte man die RBU-6000-Werfer durch den RBU-Udaw. Der Udaw verfügt über zehn Startrohre für Raketen vom Kaliber 300 mm und einer Länge von 2200 mm. Im Gegensatz zum RBU-6000 liegt sein Hauptfokus auf der Torpedoabwehr. Er ist jedoch auch zur Bekämpfung von U-Booten geeignet. Die Wurfweite beträgt maximal 3000 m und die Sinktiefe der Geschosse bis zu 600 m. Die Trefferwahrscheinlichkeit beträgt bei einem zielsuchenden Torpedo 76 Prozent. Die Sonaranlagen wurden verbessert, ein neues Luftabwehrleitsystem eingebaut und die Rechneranlagen auf den neuesten Stand gebracht. Der Antrieb wurde ebenfalls überarbeitet und trotz des zusätzlichen Gewichtes von knapp 500 Tonnen ist die UDALOY II-KLASSE bis zu vier Knoten schneller als die UDALOY I-KLASSE. Die Bordhubschrauberkomponente wurde umstrukturiert und die KA-25 wurden durch KA-32A ersetzt. Am 14. Dezember 1995 lief mit der "ADMIRAL CHABANENKO" das erste Schiff der neuen Klasse in der Kaliningrader Werft "Jantar" vom Stapel. Das Schiff war zwar zu 98 Prozent einsatzbereit, allerdings verblieb es noch mehrere Jahre im Dock, da die Gelder fehlten, um es in Dienst zu stellen (bzw. um Kosten zu sparen). Ein zweiter Rumpf war bereits fertiggestellt, wurde jedoch verschrottet. Die dritte Einheit wurde nie auf Kiel gelegt. Die "ADMIRAL CHABANENKO"  war bis Ende 1997 nicht einsatzbereit. Am 28. Januar 1999 wurde sie jedoch von der russischen Marine offiziell übernommen, nachdem sie in Seeerprobungen, die vom Kommandeur der Baltischen Flotte überwacht wurden, ihre Leistungsfähigkeit gezeigt hatte. Die UDALOY II-KLASSE bildet heute in der russischen Flotte das einzige Gegenstück zu den 47 Arleigh-Burke-Zerstörern der US Navy. Der ursprüngliche Plan der russischen Marineführung war die Aufstellung von zwei Brigaden zu je sieben Einheiten (vermutlich die zwölf UDALOY I-KLASSE und zwei UDALOY II-KLASSE sowie daran anschließend der Bau weiterer 21 Schiffe unterteilt in drei Brigaden. Alle Folgeeinheiten der ersten Baulose wurden jedoch schon in den frühen 1990er-Jahren gestrichen. Technische Daten: Dimensionen: Länge: 164 m, Breite: 19,3 m, Tiefgang: 6,2 bis 8,0 m, Verdrängung (Standardkampfsatz): 7.700 t, Verdrängung (maximal): 8.900 t. Antriebsanlage: Antriebskonfiguration: Combined Gas and Gas (COGAG), Turbinen (Marschfahrt): 2 × M62-Gasturbinen mit je 9.000 PS (auf zwei Wellen), Turbinen (äußerste Kraft): 2 × M8KF-Gasturbinen mit je 22.000 PS (auf zwei Wellen), Wellen: 2, Propeller: 2, Höchstgeschwindigkeit: 30–34 kn, Betriebsstoffbunker: k. A., Reichweite: 3.000 nm bei 14 kt; 5.700 nm bei Nutzung der Reserve (ähnlich UDALOY I-KLASSE), Besatzungstärke: 296. Bewaffnung: Flugkörper: 2 × Vierfachstarter für Anti-Schiffsflugkörper Moscit (SS-N-22 "Sunburn"), 8 × Achtfachstarter Kinschal (SA-N-9; Vertikalstarter), 2 × SA Kortik (SA-N-11). Schiffsartilleriesysteme: eine doppelläufige AK-130-Geschützplattform, Kaliber 130 mm, zwei Salut-Kanonen vom Typ K21-KM, vier sechsläufige AK-630-Gatlingkanonen (Luftabwehr/Kadenz 6000 Schuss pro Minute), Torpedorohre: zwei Vierfachstarter Kaliber 533 mm Typ ChTA-53-1155 mit Kampfsatz 30 Torpedos, ASW (Anti-Submarine-Warfare): 2 × 10 Udaw-1 ASW RL, 26 Seeminen, ASW-Hubschrauber: 2 × Ka-27 (zwei Hangars). Schiffssysteme: MR-700 Fregat-A-Luftüberwachungsradar (Top Plate 3-D), MR-320M Topaz-V-Luft- und Seeraumüberwachungsradar (Strut Pair), Swesda-2-Sonar "Phalanx", MGK-345 Bronza (Niederfrequenzsonar, Bug), Ox Tail LF VDS (Niederfrequenzsonar), 2 × MR-360 Podkat (Luftabwehrkontrollsystem für die SA-N-9), 2 × 3P37 (Luftabwehrkontrollsystem für die SA-N-11), Garpun-BAL-Seezielverfolgungsradar, Start-series EW (EloKA), Wine Glass (Signalabfangsystem), Bell Shroud (Signalabfangsystem), Bell Squat (Störanlage; ECM). Kommunikationsanlagen: Taifun, Kristall, 10 PK-10-Täuschkörperwerfer zur Raketenabwehr.



"ADMIRAL CHABANENKO"


"ADMIRAL CHABANENKO" - DETAIL





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