FLOTTENDIENSTBOOTE - Fernmeldeaufklärung der Bundesmarine, Marinefernmeldesektor 73

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FLOTTENDIENSTBOOTE



FLOTENDIENSTBOOTE


Als Flottendienstboot wird in der Deutschen Marine ein Hilfsschiff bezeichnet, das mit speziellen Sensoren ausgerüstet ist und im Bereich der strategischen Informationsgewinnung eingesetzt wird. Die gewonnenen Informationen werden direkt dem gemeinsamen Kommando Strategische Aufklärung nahe Bonn übermittelt. Im offiziellen Sprachgebrauch heißt es "Zu den Aufgaben der Flottendienstboote zählen die Sicherheit und das Aufrechterhalten der Fernmeldeverbindungen sowie die fernmelde-elektronische Aufklärung". Während des Kalten Krieges bestand die Aufgabe der damaligen Flottendienstboote "ALSTER" A-50, "OKER" A-53 und "OSTE" A-52 sowie ihrer Vorgänger "EIDER" und "TRAVE"  A-51 in der optischen und elektronischen Aufklärung der Seestreitkräfte des Warschauer Paktes im Ostseeraum, insbesondere der Baltischen Rotbannerflotte. Die elektronische Aufklärung erfolgte neben dem Abhören des Funkverkehrs durch Messen der elektromagnetischen Signatur der von der Gegnerseite verwendeten Radargeräte, wodurch teilweise die Identifikation bestimmter Einheiten möglich war. Deshalb wurden die Flottendienstboote anfangs auch Messboote genannt. Die optische Aufklärung bestand in der Anfertigung von Film- und Fotoaufnahmen der gesichteten Schiffe, wobei besonders die Antennenanlagen von Interesse waren. Hierzu mussten die Boote in die Nähe des "Bildmotivs" gelangen. Diese konnten sich aber durch ihre überlegene Geschwindigkeit einer unerwünschten Ausspähung regelmäßig entziehen, da die Flottendienstboote mit ihren maximal 15 Knoten nicht mit den Zerstörern und Fregatten der Sowjets Schritt halten konnten. Auf Grund Ihrer Funktion als Aufklärer sind Flottendienstboote meist als Einzelfahrer mit langer Seeausdauer im Einsatz. Auf Grund der militärischen Verhältnisse in der Ostsee war es für die NATO und nahestehende Staaten nicht möglich, mit Kriegsschiffen in Küstennähe der Staaten des Warschauer Paktes vorzustoßen. Daher wurden Handelsschiffe und Hilfsschiffe für den Zweck der Informationsbeschaffung "zweckentfremdet". Bei "ALSTER" und "OKER" handelte es sich um die ehemaligen Seitenfang-Trawler "MELLUM" und "HOHEWG". Die "OSTE" war der ehemalige Bergungsschlepper "PUDDEFJORD". Ende der 1980er-Jahre wurden sie durch Neubauten ersetzt. "ALSTER" und "OKER" wurden 1989 und 1988 an die Türkei und Griechenland verkauft, die sie unter den Namen "YUNUS" und "HERMIS" für den gleichen Zweck in der Ägäis und im Schwarzen Meer einsetzten. "OSTE" wurde 1987 verkauft und 1990 abgewrackt. Die Deutsche Marine verfügt derzeit über drei Flottendienstboote der OSTE-KLASSE. Die Schiffe haben eine Länge von 84 m und erreichen eine maximale Geschwindigkeit von 21 und eine Reisegeschwindigkeit von 19 Knoten. Die Drei Aufklärungsboote der Bundesmarine sind nach modernem Handelsschiffstandard gebaut und für das Wohnen an Bord wesentlich besser ausgerüstet als die übrigen Einheiten der Flotte. Die A-52 "OSTE" wurde am 30.07.1988 in Dienst gestellt. Die A-53 "OKER" wurde am 10.11.1988 in Dienst gestellt. Die A-50 "ALSTER" wurde am 05.10.1989 in Dienst gestellt. Heimathafen nach der verlegung vom Flensburg, ist Kiel. Der Flottille der Marineführungsdienste unterstehen der landgebundene Fernmeldedienst mit seinen Einrichtungen an Land und drei Flottendienstbooten der OSTE-Klasse 423. Zu den Aufgaben der Flottille zählen die Sicherheit und das Aufrechterhalten der Fernmeldeverbindungen sowie die fernmeldeelektronische Aufklärung. Dies stellt sie durch ihre Aussenstellen in Flensburg, Bradstedtlund, Rostock und Wilhelmshaven sowie in See mit den in Kiel stationierten Flottendienstbooten sicher. Marine Aufklärungsschiffe sind nicht so bekannt wie SR-71 oder U-2. Tatsache ist es jedoch, dass sie gleichwertige wenn nicht sogar bessere und effizientere Aufklärungsarbeit leisten. Schon alleine die Tatsache, dass sie im Aufklärungsgebiet sehr lange verbleiben können, sind sie sogar effizienter als die Luftaufklärung. Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion verlor der ursprüngliche Einsatzort Ostsee erheblich an Bedeutung und die Schiffe werden seither weltweit als Aufklärungsboote eingesetzt. Die Flottendienstboote gehörten früher zum Marinefernmeldestab 70 in Flensburg und wurden im Zuge der Reorganisation der Bundesmarine dem 1. U-Boot-Geschwader in Eckernförde als Teil der Einsatzflottille 1 unterstellt. Die Schiffe verfügen über zwei Radaranlagen und ein AISYS-Sonargerät und Befestigungsmöglichkeiten für zwei 20-Fuß-Container. Die genauen Daten zu den an Bord vorhandenen Geräten sind nicht bekannt. Laut Internetangebot des Bundesministeriums für Verteidigung soll es sich um elektromagnetische, hydroakustische und elektro-optische Geräte zur strategischen Informationsgewinnung in Krisengebieten handeln. Die Schiffe der OSTE-KLASSE können sowohl auf sich allein gestellt operieren als auch im Wirk- und Kommunikationsverbund mit anderen Einheiten und Dienststellen deutscher und internationaler Streitkräfte. Die Stammbesatzung aus 36 Marineangehörigen ist für die Navigation und Betrieb des Schiffes verantwortlich, während bis zu 40 weitere Soldaten des so genannten Bordeinsatzteams See (BET See) als Aufklärungspersonal dem Bataillon Elektronische Kampfführung 912 in Nienburg (Weser) als Teil des Kommandos Strategische Aufklärung unterstehen. Die Flottendienstboote verfügen über kleine Bordbewaffnung zur Selbstverteidigung.Die Flottendienstboote werden seit dem Ende des Kalten Krieges vermehrt im Mittelmeer eingesetzt. Als unbewaffnete Aufklärungsboote kann das Bundesverteidigungsministerium die Schiffe ohne Mandat des Bundestages auch in kritische Weltregionen entsenden. Deshalb bleibt der genaue Zweck der Missionen der Öffentlichkeit meist verborgen. Ab Januar 1999 war die "OKER" im Zuge der der NATO-Kosovo Air Verifikation Mission (NKAVM) und anschließend im Zuge der Operation Allied Force in der Adria eingesetzt. Im Oktober 2006 kam es zu einem Zwischenfall mit der "ALSTER" vor der Lybischen-Küste. Das Schiff wurde von sechs israelischen F-16-Kampfbombern überflogen. Kurz darauf kam es zu einem weiteren Zwischenfall zwischen der deutschen Marine und israelischen Streitkräften. Ein deutscher Marine Hubschrauber wurde Nachts von den israelischen F-16 Jagdbombern gefährlich bedrängt. Die "ALSTER" gehörte offiziell nicht zum UNIFIL-Verband, der vor dem Libanon im Einsatz ist und den Waffenschmuggel der Hisbollah über See unterbinden soll. Allerdings gehörte das Schiff zur deutschen Task-Group, also dem deutschen Anteil am Gesamtverband. Der Verteidigungsausschuss des Bundestags wurde in einer nicht öffentlicher Sitzung über den Einsatz informiert. Im Rahmen der Anti-Terror-Mission "Active Endeavour" überwachte die NATO 2011 mit vier bis fünf Awacs rund um die Uhr den Luftraum vor Libyen. Neben der Fregatte "HAMBURG" war auch das Flottendienstboot "OKER" in der Anti-Terror-Operation beteiliegt. Außerdem gehörten die Fregatte "LÜBECK" und das Minenjagdboot "DATTELN" in diesem Zeitraum zu anderen NATO-Verbänden im Mittelmeer. Ein Flottendienstboot war während des Libyen-Kriegs ohne Kenntnis des Bundestags im Mittelmeer unterwegs. Unklar ist, ob Informatioenen aus der Aufklärungstätigkeit an die NATO und deren Bomber weitergegeben wurden. Am 5. November 2011 brach die "ALSTER" aus Eckernförde zu einer geheimgehaltenen Mission in das Mittelmeer auf. Es handelte sich um die erste Mission im Mittelmeer, die als "nationale Aufklärungsfahrt" tituliert wurde. Die Online-Redaktion des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags berichtete, dass sowohl der Kommandant des Schiffes als auch der Geschwader-Kommandeur sich über das eigentliche Ziel der Aufklärungsfahrt bedeckt gehalten haben. In indirekter Rede wird der Kommandant mit den Aussagen wiedergegeben: "Jedoch seien nationale Aufklärungsfahrten nicht ungewöhnlich, um die deutschen Interessen zu vertreten. Wer die Zeitungsmeldungen verfolge, könne sich selbst ein Bild davon machen, in welchen Mittelmeerländern es zurzeit im Rahmen des arabischen Frühlings brodelt." Die Mittelmeerfahrten dienten in den vergangenen Jahren der Überwachung des Schiffsverkehrs im Zuge der Nato-Operation "Active Endeavour" oder der Uno-Mission Unifil. Bei dieser Operation ging es um ein "Lagebild" der Küste der Länder des "Arabischen Frühlings." Der Kommandant sagte an Weihnachten 2011 den Kieler Nachrichten: "Das ist uns nach den Rückmeldungen aus der Heimat bisher gut gelungen". Die "ALSTER" wurde laut dem Spiegel im Dezember 2011 im östlichen Mittelmeer von der syrischen Marine bedroht. Ein syrisches Kriegsschiff, vermutlich eines der beiden syrischen Fregatten der PETYA-KLASSE hatte Ende Dezember 2011 seine Bordkanone auf das Flottendienstboot gerichtet. Die "ALSTER" war 15 Seemeilen vor der Küste Syriens unterwegs.


"EURO HAWK"

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