PROJEKT-955/955A - Fernmeldeaufklärung der Bundesmarine, Marinefernmeldesektor 73

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BOREI-KLASSE
Das PROJEKT 955/955A, NATO-Bezeichnung: BOREI-KLASSE, ist eine Klasse von Atom-U-Booten der russischen Marine. Die BOREI-KLASSE SSBN-Trägersystem für seegestützte Interkontinentalraketen. Die BOREI-KLASSE stellt innerhalb der russischen Flotte die 4. Generation von strategischen atomgetriebenen Unterwasserkreuzern dar und wird von russischer Seite als derzeit modernste SSBN-Einheit weltweit angesehen. Die Entwicklung wurde wahrscheinlich noch vor dem Zerfall der Sowjetunion 1991, gleichzeitig mit den Projekten DELTA IV-KLASSE - PROJEKT 667BDRM und TYPHOON-KLASSE - PROJEKT 941, gestartet. Die grundsätzliche Entwicklung lief bis 1996 und wurde dem Westen bekannt, als das erste U-Boot dieses neuen Typs in der Sewmasch-Werft in Sewerodwinsk auf Kiel gelegt wurde. 1998 wurde das Projekt erneut geringfügig abgeändert. Der Bau wurde schließlich wegen finanzieller Probleme eingestellt: In einer russischen Fachzeitschrift war zu lesen, dass es der Werft an für den U-Boot-Bau geeignetem Stahl fehlte. Der bisherige Hauptlieferant Asowstal befindet sich seit dem Zerfall der Sowjetunion in der Ukraine, und das Verteidigungsministerium hatte kein Geld, dort den nunmehr sehr teuren Stahl zu kaufen. So kam der Bau der "YURI DOLGORUKIY" im Januar 1998 (damals nur zu 5 % fertig) zum Erliegen. 2001 wurde der Bau wiederaufgenommen. Ab diesem Zeitpunkt wurde das U-Boot mit dem Namen "YURI DOLGORUKIY" bezeichnet. Am 19. März 2004 wurde ein zweites U-Boot der BOREI-KLASSE mit dem Namen "ALEXANDR NEVSKIY" in Sewerodwinsk auf Kiel gelegt, genau zwei Jahre später ein drittes mit dem Namen "VLADIMIR MOHOMAKH". Im April 2007 lief das erste U-Boot vom Stapel. Sein Reaktor wurde erstmals im November 2008 aktiviert. Es sollte den russischen Seestreitkräften bis Jahresende 2009 zur Verfügung gestellt werden und wurde nach langen Tests am 10. Januar 2013 in Dienst gestellt. Die Seeversuche zogen sich jedoch nach anfänglichen Problemen bis in den Spätsommer 2010 hin. Die "YURI DOLGORUKIY" ist das erste strategische Atom-U-Boot seit 15 Jahren, das in der Russischen Föderation vom Stapel lief. Da die letzte Taufe eines SSBN 17 Jahre zurückliegt und damit noch zu Zeiten der Sowjetunion erfolgte, ist die "YURI DOLGORUKIY" das erste russische SSBN. Die "ALEXANDR NEVSKIY" sollte ursprünglich 2009 fertiggestellt sein, lief aber erst am 1. Dezember 2010 vom Stapel und wurde am 23. Dezember 2013 der Seekriegsflotte übergeben. Bei Sewmasch wird bereits ein weiteres U-Boot der 955-Klasse gebaut. Die "VLADIMIR MOHOMAKH" sollte 2011 fertig sein; beide U-Boote sind für die Pazifikflotte bestimmt. Die Kiellegung einer modernisierten vierten Einheit, der "SVYATITEL NIKOLAY", war beabsichtigt. Das U-Boot wurde am 30. Juli 2012 auf Kiel gelegt, erhielt jedoch den Namen "KNYAZ VLADIMIR". Insgesamt will die russische Marine bis 2015 acht U-Boote der 955-Klasse beschaffen. Sieben sollen unter dem derzeitigen (Finanz-)Plan bis 2015 gebaut werden, das achte U-Boot „danach“ im Rahmen eines Folgeprogramms. Die neuen SSBN sollen in den kommenden Jahrzehnten das Rückgrat der seegestützten nuklearen Abschreckung Russlands bilden und in dieser Rolle die älteren DELTA III-KLASSE PROJEKT 667BDR / DELTA IV-KLASSE PROJEKT 667BDRM ersetzen. Die Bewaffnung der "YURI DOLGORUKIY" umfasst in erster Linie 16 Interkontinentalraketen vom Typ Bulawa (SS-N-30) mit Feststoffantrieb. Jede dieser Raketen trägt maximal zehn nukleare Gefechtsköpfe. Für das PROJEKT 955 - BOREI-KLASSE war zunächst die Rakete R-39UTTKh Grom bestimmt, an der im Makejew-Raketenkonstruktionsbüro in der Stadt Miass gearbeitet wurde. Die dortigen Konstrukteure konnten aber die vorgeschriebenen Abmessungen für die Rakete nicht einhalten, weshalb das Atom-U-Boot auch selbst umgebaut werden musste. Bei den Tests dieser Rakete wurden auch andere Mängel festgestellt. Als die Rakete 1998 schließlich zu 80 Prozent fertig war, musste das Projekt beendet werden. Neben der Raketenbewaffnung ist die BOREI-KLASSE mit sechs Torpedorohren des Kalibers 533 mm bewaffnet. Über eine mögliche zusätzliche Bewaffnung mit aus den Torpedorohren abfeuerbaren RK-55-"Granat"-Marschflugkörpern (SS-N-21 "Sampson") wird spekuliert. Das vierte U-Boot gehört bereits zum PROJEKT 955A - BOREI A-KLASSE für den Serienbau und wird mit mindestens 16 Bulawa-Raketen ausgerüstet sein. Die U-Boote vom Typ 955A können vollständig mit Bulawa-30-Raketen ausgerüstet werden, es ist jedoch auch eine Mischbestückung aus allen Typen möglich. Bulawa-M ist mit einem Gefechtskopf von 550 Kilotonnen oder einer Megatonne für Angriffe auf großflächige Ziele wie z. B. Häfen gedacht. Die Bulawa-30 ist mit sechs Gefechtsköpfen zu 150 Kilotonnen für die Vernichtung von Flugplätzen ausgerüstet. Die Bulawa-47 ist noch in der Entwicklung, aber man vermutet, dass sie drei GLONASS-gelenkte Penetrations-Gefechtsköpfe von jeweils fünf Kilotonnen trägt und imstande ist, als "überdimensionale SMART-Bombe" Bunkeranlagen zu vernichten. Die Gefechtsköpfe wurden so entwickelt, dass radioaktive Strahlung und Fallout nur schwach sind und kurz anhalten. Die Daten in der Infobox beziehen sich zunächst nur auf die Klasse 955. Alle bisherigen SSBN der russischen Marine von der PROJEKT 667A bis zu PROJEKT 667BDRM - DELTA IV-KLASSE mussten beim Abfeuern der Raketen entweder stoppen oder durften 3 Knoten Fahrt nicht überschreiten. PROJEKT 667BDRM - DELTA-IV KLASSE und die TYPHOON-KLASSE können in Vierer-Salven feuern, also immer vier Raketen gleichzeitig starten. Bei den neuen U-Booten hat man sich an den SSGN orientiert und die Silos in einem Winkel von 25 bis 35 Grad eingesetzt. So kann das U-Boot beim Ausstoßen der Raketen in 65 Metern Tiefe bis zu 15 Knoten Fahrt machen. Die BOREI-KLASSE stellt den ersten SSBN-Neubau in Russland nach dem Ende der Sowjet-Ära dar. Wie zahlreiche andere russische Rüstungsprojekte war auch dieses Programm von erheblichen Verzögerungen in Planung und Bau betroffen. Die Kiellegung für die erste Einheit, "YURI DOLGORUKIY", erfolgte bereits 1996, doch da der Konstruktionsfortschritt zwischenzeitlich komplett zum Stillstand kam und auch nachfolgend lange zögerlich vorangetrieben wurde, kam es zu einer Gesamtbauzeit von mehr als zwölf Jahren. Das gegenwärtig größte Hindernis für eine Indienststellung stellen die Schwierigkeiten bei der Entwicklung des Bulawa-Flugkörpers dar, welcher das geplante Hauptwaffensystem der Klasse sein wird. Bei den bisherigen Erprobungen sind sieben von achtzehn Abschusstests fehlgeschlagen. Insgesamt wurden dreizehn Raketen erfolgreich gestartet. Am 28. Juni 2011 wurde zum ersten Mal eine Bulava-Rakete von
"YURI DOLGORUKIY" aus gestartet. Der Test wurde als erfolgreich erklärt. Nach langen Verzögerungen wurde das Führungsschiff, "YURI DOLGORUKIY", am 10. Januar 2013 schließlich der russischen Marine beigetreten. Die offizielle Zeremonie zum Hissen der russischen Marineflagge auf dem U-Boot wurde vom russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu geleitet. Nach einer Reihe von Übungen wurde es 2014 aktiv eingesetzt. Die BOREI-KLASSE verfügt über einen kompakten und integrierten hydrodynamisch effizienten Rumpf zur Reduzierung des Breitbandlärms und bietet den ersten Einsatz eines Pumpstrahlantriebs bei einem russischen Atom-U-Boot. Der russische Nachrichtendienst TASS behauptete, der Geräuschpegel sei fünfmal niedriger als bei den nuklearbetriebenen U-Booten der dritten Generation der AKULA-KLASSE und doppelt so niedrig wie bei den US-U -Booten der Virginia -Klasse. Die akustische Signatur der BOREI-KLASSE ist wesentlich getarnter als die der vorherigen Generationen russischer SSBNs, es wird jedoch berichtet, dass ihre Hydraulikpumpen nach relativ kurzer Betriebszeit lauter werden, was die Tarnfähigkeit des U-Bootes einschränkt. Die U-Boote der BOREI-KLASSE sind etwa 170 Meter lang, haben einen Durchmesser von 13 Metern und erreichen unter Wasser eine maximale Geschwindigkeit von mindestens 46 Kilometern pro Stunde (25 Knoten; 29 Meilen pro Stunde). Sie sind mit einer schwimmenden Rettungskammer ausgestattet, in die die gesamte Besatzung passt. Die BOREI-KLASSE ist kleiner als die TYPHOON-KLASSE und sollten ursprünglich 12 Raketen tragen können. Aufgrund der geringeren Masse der 36 Tonnen schweren Bulava-SLBM (eine modifizierte Version der Topol-M-Interkontinentalrakete ) im Vergleich zur ursprünglich vorgeschlagenen R-39UTTH Bark können sie jedoch vier mehr transportieren. Die Kosten wurden 2010 auf rund 23 Milliarden Pfund ( 734 Millionen US- Dollar, das entspricht 863 Millionen US-Dollar im Jahr 2020) geschätzt. Im Vergleich dazu betrugen die Kosten für ein SSBN der Ohio-Klasse rund 2 Milliarden US-Dollar pro U-Boot (Preise von 1997, das entspricht über 3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020). Jedes BOREI-KLASSE U-Boot besteht aus 1,3 Millionen Komponenten und Mechanismen. Für den Bau werden 17.000 Tonnen Metall benötigt, also 50 % mehr als für den Eiffelturm. Die Gesamtlänge der Rohrleitungen beträgt 109 km und die der Verkabelung 600 km. Zehntausend Gummiplatten bedecken den Rumpf des U-Bootes. Auf der Army-2022-Expo stellte das Rubin Design Bureau ein neues U-Boot mit ballistischen Raketen vor, das die BOREI-KLASSE ersetzen soll. Die Arcturus-Klasse wird ein abgewinkeltes Rumpfdesign haben, ähnlich der Dreadnought -Klasse, wodurch das U-Boot schwerer zu erkennen sein soll. Das U-Boot wird außerdem 12 Raketensilos enthalten und in der Lage sein, das Surrogat-V AUV zu tragen, eine U-Boot-Abwehrdrohne. Es wird außerdem eine 20 % geringere Verdrängung im Vergleich zu aktuellen U-Booten mit ballistischen Raketen haben, mit einer geplanten Besatzung von etwa 100 Personen und einer Länge von 134 Metern. Am 21. Juni 2023 gab das Rubin Design Bureau bekannt, dass die Arcturus -Klasse ab 2037 die BOREI-KLASSE ersetzen werde.

Projekt 955B - BOREI B-KLASSE

Das Projekt 955B BOREI B-KLASSE sollte über ein neues Wasserstrahlantriebssystem, einen verbesserten Rumpf und neue Schalldämmungstechnologie verfügen. Der Konzeptentwurf sollte 2018 vom Konstruktionsbüro Rubin initiiert werden und es waren vier U-Boote des Projekts 955B vorgeschlagen, von denen das erste Exemplar 2026 an die russische Marine ausgeliefert werden sollte. Aus Kostengründen wurde das Projekt jedoch Berichten zufolge nicht in Russlands staatliches Rüstungsprogramm für 2018–2027 aufgenommen. Stattdessen sollten nach 2023 sechs weitere Borei-A-U-Boote gebaut werden. Einem Bericht aus dem Jahr 2018 zufolge sieht Russlands staatliches Rüstungsprogramm für 2018–2027 den Bau von zwei weiteren Borei-A-U-Booten bis 2028 vor. Der Bau soll ab 2024 bei Sevmash erfolgen und die Auslieferung an die russische Marine soll 2026 bzw. 2027 erfolgen.




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